Statement: Bereit weil ihr es seid? Eine Untersuchung zur klimapolitischen Einstellung der Bevölkerung

Soziodemografische Daten konträrer Regionen zeigen einen Zusammenhang zwischen der Zukunftsfähigkeit eines Standorts und der Offenheit für eine aktive Klimaschutzpolitik in der Bevölkerung.

​​Was unterscheidet die Gegenden um das fränkische Kulmbach und die Stadt Mansfeld im östlichen Harzvorland von den Universitätsstädten Freiburg und Münster?

Strukturdaten des Bundeswahlleiters zeigen: Die Wahlkreise Kulmbach und Mansfeld haben ein unterdurchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen und einen überdurchschnittlich starken Bevölkerungsrückgang; der Anteil junger Menschen an der Gesamtbevölkerung ist außgewöhnlich niedrig und überdurchschnittlich wenig der Schulabsolventen verlassen die Schule mit einem Abitur. Zudem ist die Beschäftigungsquote in diesen Wahlkreisen unterdurchschnittlich niedrig, der Dienstleistungssektor spielt eine geringe Rolle, dafür ist insbesondere in Kulmbach das produzierende Gewerbe sehr stark. Münster und Freiburg weisen in Bezug auf praktisch all dieser Indikatoren genau umgekehrte Werte auf: wachsend, prosperierend, mit einer vergleichsweisen jungen und bildungsstarken Bevölkerung, einer hohen Beschäftigungsquote und einem relevanten Dienstleistungssektor.

Die Folge – und das zeigt die Untersuchung der E.ON Stiftung in größter Deutlichkeit: Münster und Freiburg sind deutschlandweit Spitzenreiter, wenn es um die eingeschätzte Relevanz des Themas Klimawandel und um die Offenheit der Menschen für eine ambitionierte Klimaschutzpolitik geht.

Hingegen gibt es nirgendwo sonst in Deutschland so wenig Menschen, für die Klimawandel das aktuell wichtigste Thema darstellt, wie in Mansfeld. Und Kulmbach ist ein gutes Beispiel für einen Wahlkreis, in dem zwar 40 Prozent der Bevölkerung Klimawandel eine hohe Bedeutung zuweisen, aber trotzdem eine Mehrheit gegen höhere CO2-Preise ist.

Kurz: Die Einstellung der Menschen zum Klimawandel und zu konkreten Klimaschutzmaßnahmen hängt weniger von der individuellen Situation der Menschen (zum Beispiel ihrem persönlichen Einkommen) ab. Ob die Menschen das Thema Klimawandel wichtig finden und eine ambitionierte Klimaschutzpolitik unterstützen, ist vielmehr Folge davon, wie zukunftsfähig ihr Wohnort ist. Und diese Zukunftsfähigkeit lässt sich sehr plastisch an den zitierten Strukturmerkmalen ablesen.

 

Zum Autor: René Mono ist seit 2015 geschäftsführender Vorstand der 100 prozent erneuerbar stiftung. Der promovierte Kommunikationswissenschaftler ist u.a. im Kuratorium der Naturstiftung David vertreten. Von 2014 bis Sommer 2020 war er im Vorstand des Bündnis Bürgerenergie.