18. März 2021

Gemeinsam die Welt verbessern

Innovative Ideen im Think Lab: „Wir sind der Nährboden“

Das Think Lab ist eine gemeinsame Initiative der Stiftung der Deutschen Wirtschaft sowie der E.ON Stiftung. In interdisziplinären Teams arbeiten Studierende, Promovierende und Young Professionals aller Fachrichtung an Transformationsprojekten, die sich mit drei Handlungsfeldern der Energiewende beschäftigen: nachhaltige Energieversorgung, nachhaltige Mobilität und nachhaltiges Wohnen. Das seit 2016 erfolgreiche Projekt ging im Herbst 2020 in eine neue Runde und zeigt damit, dass selbst die Umstellung von Präsenzveranstaltungen auf virtuelles Zusammenarbeiten den Ideenfluss und die Motivation der jungen Leute nicht abreißen lässt. 

„Ich war anfangs durchaus skeptisch“, gesteht Jörg Hülshörster, Projektleiter des Think Labs. „Als wir im Herbst mit dem virtuellen Ideathon gestartet sind, war ich mir nicht sicher, ob wir am Ende der drei Tage mit reifen Projektskizzen dastehen würden.“ Wie bei so vielem hat die Corona-Pandemie auch beim Think Lab die ursprüngliche Planung über den Haufen geworfen. Statt einer dreitägigen Präsenzveranstaltung schaltete man sich via Chat- und Videokonferenzen zusammen. Die Herausforderung: Allein auf der Basis einer Idee eine projektreife Skizze zu erarbeiten und diese vor der fünfköpfigen Jury zu pitchen, um die Förderung für ein Jahr zu gewinnen – und das mit Teammitgliedern, die man vorher nicht persönlich gekannt hatte. „Am Ende der Veranstaltung wurden 16 Projekte vorgestellt – und alle hatten Potenzial“, erklärt Hülshörster und kann den Stolz in seiner Stimme kaum verbergen. „Damit hätte ich ehrlich nicht gerechnet.“ Im Nachgang der Veranstaltung schrieb er in einem Social-Media-Beitrag: „Wirklich beeindruckend – und jede einzelne Projektidee hätte es verdient, realisiert zu werden. Ihr wart toll! Vielen Dank an alle Mitwirkenden für ein Feuerwerk der Kreativität und den Beweis, dass die Pfade für eine Transformation unserer Gesellschaft da sind und wir sie nur gehen müssen!“

Was bedeutet Innovation eigentlich?

„Entscheidend ist für mich der Perspektivwechsel“, sagt Hülshörster. „Innovationen brauchen immer einen neuen Blickwinkel, aber das bedeutet nicht, dass man etwas komplett Neues erfinden muss. Für eine echte Innovation ist es meiner Meinung nach wichtig, vor allem eine andere, bessere Lösung für ein bestehendes Problem zu finden.“ Beim Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz bedeute das, den aktuellen Herausforderungen mit neuen Lösungen zu begegnen – aber idealerweise so, dass man nicht auf Dinge verzichten müsse, die für uns Menschen unabdingbar geworden sind.

Seit dem digitalen Pitch im Herbst 2020 arbeiten nun knapp 50 Teilnehmende in sieben Teams an ihren Ideen. „Wir sehen bereits erste Ergebnisse. Websites wurden gelauncht, Podcast-Folgen sind online abrufbar und ein Team bereitet sich auf die Gründung ihres Startups vor. Das sind tolle Ergebnisse, besonders wenn man bedenkt, unter welchen Umständen die Teams zusammenarbeiten.“ Hülshörster spielt auf die anhaltende Pandemie an. Trotz guter Konzepte gab es zunächst Startschwierigkeiten. Auf Bitten der Teilnehmenden unterstützte das Think Lab die Teams daher mit einem Workshop zur digitalen Zusammenarbeit. Die Reaktionen kamen prompt. „Die Teams haben viele unserer Tipps direkt in ihre Kommunikation und Zusammenarbeit eingebunden. Sie waren dankbar für den wertvollen Input.“

Auf den Austausch kommt es an

Eine Schlüsselkomponente des Think Labs ist der ständige Austausch, nicht nur innerhalb des Teams. „Die Entwicklung der ausgereiften Projektidee findet fast immer in Gesprächen mit den von uns eingeladenen Experten und Coaches statt. Normalerweise laufen sie von Gruppe zu Gruppe, hören mit und werfen wertvolle Fragen ein, die das Team auf die richtige Spur bringen. Im virtuellen Raum war das etwas schwieriger“, erzählt Hülshörster. Doch zu seiner eigenen Überraschung hat auch das hervorragend funktioniert. „Wir konnten so manchen gefragten Experten für uns gewinnen, denn es ist natürlich viel einfacher, sich für eine Stunde Videokonferenz Zeit zu nehmen, als extra anzureisen und einen ganzen Tag lang in Beschlag genommen zu werden.“ So war es beispielsweise möglich, dass einer der renommiertesten Mobilitätsforscher Deutschlands für die Think Lab-Teams Zeit hatte: Prof. Dr. Andreas Knie. Er leitet die Forschungsgruppe „Digitale Mobilität und gesellschaftliche Differenzierung“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Neben den einzelnen Projekten geht es dem Think Lab besonders um ein Ziel: ein großes Netzwerk. Braucht ein Team Hilfe beim Datenschutz, hat das Think Lab einen Experten zur Hand, der gerne unterstützt. Ein juristischer Rat? Kein Problem, ein Alumni kennt sich aus. Mit jeder neuen Förderrunde wächst das Netzwerk an Experten, Alumni und Coaches. So ist es den Teams auch im Anschluss an das offizielle Förderjahr weiterhin möglich, auf Hilfe zurückzugreifen. Für viele Projekte ist das Think Lab ein Sprungbrett. „Wir sind der Nährboden für die Ideen – und aus manch gesätem Samen entsteht eine stabile und wachsende Pflanze, während andere Projekte nur für kurze Zeit blühen. Doch genau das ist das Spannende an der Arbeit im Think Lab“, sagt Hülshörster. Was ihn besonders freut: „Man spürt bei den Teilnehmern die Energie und die Motivation, etwas zu verändern. Sie beklagen sich nicht, sondern wollen die Welt ein Stück besser machen.“

Diese Projekte werden dieses Jahr vom Think Lab gefördert

Bauer nebenan

Die „Bauer nebenan“-App ermöglicht einen kompletten Einkauf mit regionalen Lebensmitteln und nachhaltigen Haushaltsartikeln von Erzeugern aus der Umgebung. Kunden schonen so die Umwelt – durch minimale Verpackungen und weniger Abgase dank umweltfreundlicher Lieferung.

future economies

future economies ist ein Podcast, der die Klimakrise aus einer wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive diskutiert. In Gesprächen mit verschiedenen Ökonomie-Experten werden konstruktive Antworten auf folgende zentrale Fragen gesucht: Wie muss ein Wirtschaftssystem aussehen, damit es dazu beiträgt, die Klimakrise zu bewältigen? Wie kann eine wirklich nachhaltige Gesellschaft aussehen – und wie gelangen wir dorthin?

naturefit

naturefit unterstützt soziale Initiativen und Organisationen darin, ihre ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeitsperformance zu optimieren. Denn das kommt trotz guter Absichten häufig zu kurz. naturefit sieht sich als Stütze auf diesem Weg und hat es sich zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit den Partnern ein ganzheitliches, nachhaltiges Handeln in unserer Gesellschaft zu fördern.

Policy Forum

Können Volkswirtschaften „grün“ wachsen oder müssen wir womöglich über ein Ende des Wachstums nachdenken, um die planetaren Grenzen zu respektieren? Und wenn wir grün wachsen wollen, mit welcher Politik können wir dieses Ziel am wirksamsten erreichen? Im Rahmen des Think Lab Projekts plant das Policy Forum Team eine dreiteilige Veranstaltungsreihe mit dem Ziel, das aufkommende Paradigma des grünen Wirtschaftswachstums im Vergleich zur Postwachstumsdebatte sowie die politischen Instrumente für grünes Wachstum kritisch zu hinterfragen und zu diskutieren.

Die Wassertanke

Die Wassertanke trägt durch die flächendeckende Verbreitung dezentraler Regenspeicher zu einer partizipativen und nachhaltigen Bewässerung von Bäumen und somit zu dem Erhalt von Grünflächen, Lebensraum und Lebensqualität bei. Kernbestandteil des Projektes ist das Aufstellen von Regenspeichern in Städten. Diese sollen den Stadtbewohnern die Bewässerung der städtischen Vegetation erleichtern. Die gemeinsame Bewässerung der Pflanzen durch die Anwohner soll außerdem den Anstoß dazu geben, dass sich innerhalb der Nachbarschaft Gemeinschaften bilden und neue Begegnungsorte entstehen.

Try It!

Try It! ermöglicht nachhaltige Verhaltensänderungen durch Gamification. Das Team entwickelt eine App, die den Nutzern drei tägliche Challenges zur Auswahl gibt, um spielerisch kleine Schritte in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen. Mit diesem Ansatz werden psychosoziale Barrieren aufgelöst und individuelles nachhaltiges Verhalten im Alltag unterstützt.

sharabl

Foodsharing wird digital. Die sharabl Plattform Community ermöglicht einen gemeinschaftlichen und verpackungsarmen Einkauf. Wie das funktioniert? Die sharabl Nutzer verbinden sich mit Freunden, der Familie oder den Nachbarn, beziehen Produkte in umweltfreundlichen Großverpackungen und organisieren die Verteilung untereinander. So wird Verpackungsmüll reduziert, ein soziales Miteinander gefördert und bei Großbestellungen oft sogar Geld gespart.

Foto: Stiftung der Deutschen Wirtschaft/Heidi Scherm