21. Dezember 2020

Interview mit der Think Lab-Gruppe Sunnytimes

Private Solaranlagen auch ohne EEG-Vergütung weiter effektiv nutzen

Es gibt immer mehr Sonnenenergie aus Privathaushalten. Allerdings wird sie selten verwendet, wenn sie erzeugt wird. Die Folge: ein überlastetes Stromnetz. Die Think Lab-Gruppe „Sunnytimes“ möchte das mit Unterstützung der E.ON Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft ändern. Mit ihrer gleichnamigen Anwendung will sie Verbrauchern eine kostensparende und effektive Nutzung der Solarenergie ermöglichen. Wie diese funktioniert und warum das besonders nach Wegfall der staatlichen Einspeisevergütung (EEG) sinnvoll ist, erklärt Projektleiter Tristan Menzinger im Interview.

Herr Menzinger, „Sunnytimes“, der Titel Ihres Projekts, deutet im Kontext Energiegewinnung schon an, worum es geht. Was steckt hinter der Idee? Und wie funktioniert es in der Praxis?

Tristan Menzinger: Viele der 1,7 Millionen Solaranlagenbesitzer in Deutschland konsumieren den selbst produzierten Strom selten dann, wenn er produziert wird. „Sunnytimes“ möchte es dem Nutzer erleichtern, das Maximum des täglichen Strombedarfs aus dem eigenen Energieerzeugung zu decken. Mit unserer App oder unserem Sprachassistenten liefern wir dem Konsumenten Prognosen zur Sonnenaktivität bis zu sieben Tage im voraus. Diese orientieren sich genau an den Leistungsdaten seiner Photovoltaikanlage. Der Vorteil: Der Nutzer kann seine Elektrogeräte effektiv und kostensparend verwenden. Dies ist besonders sinnvoll bei Geräten mit einem hohen Stromverbrauch, wie zum Beispiel bei einer Waschmaschine, einem Trockner oder einem E-Auto. So rät unsere App dem Photovoltaikanlagenbesitzer an welchem Tag er sein E-Fahrzeug mit der eigenen Solarenergie aufladen kann. Der Solaranlagenbesitzer kann so seine eigene Energie nutzen, ohne dass zusätzlich konventioneller Strom zugeschaltet werden muss. Unsere Anwendung stellt somit eine praktische und effektive Hilfe dar, um die Nutzung des Solarstroms im voraus zu planen und ihn effektiv nutzen zu können. 

Welche Tools vereinfachen das Stromsparen?  

Wir planen eine Website, einen Sprachassistenten und eine App. Mit diesen Anwendungen kann ein Solaranlagenbesitzer seinen Stromverbrauch effektiv im voraus planen und dabei Geld sparen. „Sunnytimes“ ist somit ein bequemes Tool, das den Verbraucher bei der effektiven Stromnutzung unterstützt.

Richtet sich das Angebot an Privatpersonen, die bereits Solaranlagen auf Ihren Dächern angebracht haben?

Unsere Zielgruppe sind alle Solaranlagenbesitzer, die ihren eigenen Solarstrom bestmöglich nutzen möchten. Dazu gehören auch Photovoltaikanlagenbetreiber, die nach 20 Jahren Anwendung keine Zulage der EEG-Förderung mehr bekommen. Viele wissen nicht, ob und inwiefern eine Nutzung für sie ohne staatliche Zuschüsse noch sinnvoll ist. Schließlich waren die staatlichen Subventionen stets deutlich höher, als der reguläre Energiepreis an der Strombörse. Im Jahr 2000 gab es dafür noch eine Förderung von 0,50 Euro pro Kilowattstunde. An der Strombörse hingegen liegt der Solarstrompreis aktuell zwischen 0,02 Euro und 0,03 Euro. Das Einspeisen in das Stromnetz stellt somit für diese Verbraucher keine sinnvolle Option dar. Hier setzt unsere Anwendung an. Wir möchten unsere Nutzer ermutigen den eigenen Energieverbrauch besser zu planen und so den eigenen Sonnenstrom effektiv zu nutzen.

Inwiefern kann Ihre Initiative dabei helfen, die Netzstabilisierung voranzutreiben?

An sonnigen Tagen produzieren die Solaranlagen sehr viel Energie. Der Strom wird zu diesem Zeitpunkt aber meist nicht genutzt. Dadurch ist das Stromnetz überlastet. Das stellt langfristig ein Risiko dar. Zudem muss der Strom an anderer Stelle wieder reguliert werden, was sehr kostspielig ist. Unsere App „Sunnytimes“ ermutigt die Verbraucher die Energie dann zu konsumieren, wenn sie anfällt. Das hat auch eine lokale Entlastung des Stromnetzes zur Folge, was zum Beispiel in Dörfern ein großer Vorteil ist.

Und was sind die nächsten Schritte? 

Wir suchen aktuell in Photovoltaik-Internetforen nach interessierten Personen, die unsere Anwendungen Mitte November testen möchten. Unser langfristiges Ziel ist die Kombination unseres Programms mit Geräten des Smart Homes.

Wann kommt Ihre Anwendung auf den Markt?

Fällt das Nutzerfeedback positiv aus, wollen wir Ende des Jahres die App auf den Markt bringen und für sie werben. 

 

Header: Foto Credits: Tristan Menzinger