6. April 2021

Dr. Steffi Ober im Interview

„Die Gesellschaft muss viel stärker einbezogen werden“

Dr. Steffi Ober, Initiatorin der Zivilgesellschaftlichen Plattform „Forschungswende“, macht sich für eine neue Form der Wissenschaftskommunikation stark. Am 22. April diskutiert sie ab 16 Uhr mit Prof. Dr. Manuel Frondel (RWI) und Prof. Dr. Andreas Knie (WZB) im Rahmen der Berliner Stiftungswoche die Frage: Welche Wissenschaft braucht der Klimaschutz?

Weiter Informationen und den Link zum Online-Talk finden Sie hier.

Frau Ober, Sie sind Initiatorin der zivilgesellschaftlichen Plattform „Forschungswende“. Was ist das Ziel dieser Plattform?

Dr. Steffi Ober: Ziel der Plattform ist es, das Engagement der Zivilgesellschaft in Forschung und Innovation zu fördern. Zwischen Wirtschaft und Wissenschaft besteht schon lange eine enge Kooperation, doch die Zivilgesellschaft ist meist unterrepräsentiert oder überhaupt nicht vertreten. Ich denke aber, wenn es darum geht öffentliche Gelder in Forschungsinfrastrukturen zu investieren, muss die Gesellschaft viel stärker einbezogen werden. Das gilt vor allem in Bezug auf den Klimawandel, der nicht nur eine technologische, sondern vor allem eine gesellschaftliche Transformation erfordert.

Beispielsweise findet man in zivilgesellschaftlichen Organisationen zwar oft Bildungsreferenten, selten aber Wissenschaftsreferenten. Überhaupt ist die Bedeutung der Wissenschafts- und Forschungspolitik für die Lösung unserer gegenwärtigen und zukünftigen Probleme in der Gesellschaft zu wenig präsent. Durch unser Engagement möchten wir das ändern und die wissenschaftlichen Strukturen in den Verbänden stärken. Wir fördern zivilgesellschaftliche Akteure, damit sie in den entsprechenden Gremien das nötige Know-How haben, um die Interessen der Gesellschaft zu vertreten. Das ist keine leichte Aufgabe und wir müssen zunächst Formate schaffen, in denen ein enger, vertrauensvoller Austausch zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft entsteht.

Warum ist der Austausch zwischen Zivilgesellschaft und Wissenschaft so wichtig?

Weil die sogenannten „großen Herausforderungen“ wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, Verlust der Biodiversität, Welternährung, etc. keine rein technischen oder wissenschaftlichen Herausforderungen sind. Den Lösungsansätzen liegen ja grundsätzliche Fragen der gesellschaftlichen Transformation zugrunde. Also: Was ist normal? Was verstehen wir unter Wohlstand? Welche Zukunft wünschen wir uns als Gesellschaft? Nur wenn die Gesellschaft in die Beantwortung dieser Fragen und damit in die Lösungsfindung miteinbezogen wird, kann eine gesellschaftliche Transformation gelingen. 

Im Wahljahr 2021 wird das Klima besonders großgeschrieben. Mit welchem „System“ lässt sich der Klimakrise begegnen?  

Gerade was das Klima angeht, haben wir keinen Mangel an Wissen. Wir haben schlicht einen Mangel an Umsetzung. Wir sehen das zurzeit ja auch deutlich an der Corona Krise: die Wissenschaft kommuniziert ganz klar ihre Ergebnisse, doch die Politik hinkt hinterher. Das ist auch bei der Klimafrage der Fall. Wir suchen keine Erkenntnisse mehr. Die Auswirkungen der Erderwärmung sind hochgradig validiert. Trotzdem werden zu wenige Maßnahmen umgesetzt, da das Risiko für die Politik sehr hoch ist. Da hakt einfach das politische System, das auf vier Jahre und kurzfristigen Machterhalt angelegt ist. Wir brauchen jetzt aber eine langfristige Planung und vor allem mutige Menschen, die eine echte Transformation in die Wege leiten. In Deutschland existieren zu viele gesetzliche Rahmenbedingungen, die ein vernünftiges, klimaangepasstes Verhalten in Industrie und Gesellschaft eher verhindern, statt es zu ermöglichen. Ich wünsche mir, dass sich das in der nächsten Legislaturperiode ändert.

Welche Wissenschaft braucht der Klimaschutz?

Im Rahmen der Berliner Stiftungswoche diskutieren mit uns: 

Prof. Dr. Manuel Frondel: Ökonom, RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Prof. Dr. Andreas Knie: Soziologe, TU und WZB Berlin

Dr. Steffi Ober: Initiatorin Zivilgesellschaftliche Plattform Forschungswende

Moderation: Anabel Rother Godoy

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