5. August 2021

Interview mit Fabian Kühfuß

SmART City 2021: Kunst und Klima in der Stadtentwicklung

“SmART City 2021 – Vernetzte Kommunikationsschichten” ist ein Stuttgarter Kunstprojekt, das sich mit der Vision der vernetzten und smarten Stadt auseinandersetzt. Es wird von der E.ON Stiftung gefördert und verbindet die Themen digitale Entwicklung, Kunst und öffentlicher Raum mit der Stadtentwicklung. Wir haben Künstler Fabian Kühfuß, Mitglied des smartcity Kollektivs, zum Gespräch getroffen.

 

Gemeinsam mit den Künstler*innen Clair Bötschi, Christoph Wetzel, Fabian Brose bilden Sie das SmART City Kollektiv. Wie kam es zum Zusammenschluss dieses Kollektivs?

Wir sind alle Akteur*innen in und um den Kunstverein Wagenhalle und somit direkt betroffen von der Entwicklung des Stuttgarter Stadtviertels „Nordbahnhof“ und dem dabei entstehenden neuen Stadtviertel „Maker City“. Dieses Experimentierfeld wurde als Projekt für die Internationale Bauausstellung 2027 auserkoren und hat uns inspiriert, künstlerische Projekte vorauszuschicken.

 

Was ist die Motivation hinter dem Kunstprojekt “SmART City 2021 – Vernetzte Kommunikationsschichten”? 

Alle Beteiligten des Kollektivs beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit der gesellschaftlichen Entwicklung und der Transformation mit, durch und in das Digitale. Das Thema Digitalität ist auch für die Stadtentwicklung wichtig. Diesen Prozess wollen wir künstlerisch begleiten, indem wir Raum für künstlerische Ansätze und auch für teils sehr technoide Entwicklungen schaffen.

 

Das Kollektiv beschäftigt sich mit Datenerfassung und -verarbeitung sowie mit den Auswirkungen durch automatisierte Systeme. Wie darf man sich die künstlerische Verknüpfung mit diesen technischen Themen konkret vorstellen?

Wir sehen sowohl Daten an sich als auch die technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte als eine Art Material, mit dem sich prima spielen lässt. Wenn man Daten oder Maschinen ihren vorgegebenen Nutzen entzieht, erhält man Kulturgüter, die wir wie Rohstoffe in neue Formen bringen möchten. Konkret: Telefoncomputer sind mittlerweile aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber ein Telefoncomputer, der als Akteur mit dir, dem Telefonierenden, eine interaktive Geschichte entwickelt, ist eine Art künstlicher Performer wie er nun bei uns entsteht.

 

Welche Chancen sehen Sie, im Rahmen der smarten Stadtentwicklung digitale Zukunft zum Kunstpublikum zu bringen? 

Der große Digital-Boom – katalysiert durch die Corona-Krise – bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, um künstlerisch zu agieren. Gleichzeitig öffnen sich durch den Boom auch Türen für ein neues Publikum. Neue Medien sind als Werkzeug und Material im Alltag angekommen. 

Wir hoffen, ein gewisses Entdeckertum mit unseren Telefonzellen zu wecken. Für eine ganze Generation Kunstpublikum ist nicht mehr klar, wofür diese Dinger früher genutzt wurden und wie telefonieren mit Kabel am Hörer ist. Wir machen Telefonzellen wieder als solche nutzbar und ermöglichen die Kommunikation mit einem Computer.

 

Die Klimakrise ist ein nicht fassbares Problem, das uns alle betrifft.

 

Der Begriff Smart City steht für Entwicklungskonzepte, die Städte effizienter, grüner und sozial inklusiver machen sollen. Gibt es in Ihren Arbeiten ein Fokusthema?

Wir versuchen uns hierbei vor allem auf die Entwicklung selbst zu fokussieren. Das Konzeptionieren neuer Stadtviertel geschieht in der Regel auf wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Grundlagen. Zwischenmenschliche und auch künstlerische Aspekte müssen sich dann ihren Weg in den Alltag meist erst suchen. Eine Frage, die uns dabei umtreibt: Wie können wir gesammelte Daten weiter auswerten, wenn wir den ökonomischen und wissenschaftlichen Nutzen ausblenden?

 

Sie beschäftigen sich in Ihrer Kunst hauptsächlich mit Medien, Ihre Kolleg*innen haben andere Schwerpunkte. Welche Rolle nimmt aus Ihrer Sicht Kunst beim Kampf gegen die Klimakrise ein?

Die Klimakrise ist ein nicht fassbares Problem, das uns alle betrifft. Das werden wir auch bald im Privaten zu spüren bekommen – nicht nur im Großen da draußen. In der Kunst können wir Handlungsräume schaffen, um mit dieser realen Veränderung umzugehen und diese emotional zu bewältigen. Ganz konkret heißt das: Wir versuchen das Projekt so klimaneutral wie möglich zu gestalten. Das bedeutet, dass wir größtenteils vorhandenes Material wiederverwerten und uns zunutze machen. 

 

In Workshops tauschen sie sich als Kollektiv mit Expert*innen der jeweiligen Bereiche zum Zusammenspiel von digitaler Entwicklung, Kunst und Stadtentwicklung aus. Gegenseitiges Befruchten oder Überzeugungsarbeit – was überwiegt?

Ganz klar überwiegt hier das gegenseitige Befruchten. Es ist unglaublich spannend zu erfahren, wie weit die technischen Möglichkeiten heutzutage sind und was in den nächsten Monaten oder Jahren noch entsteht. Gleichzeitig spüren wir ein großes Interesse an der Suche nach kulturellem Sinn und Inhalt in dieser Technik- und Datenflut.

 

Der Klimawandel ist einer von vielen Faktoren, die sich auf städtische Strukturen auswirken. Welche Zukunftsvision haben Sie mit Blick auf die Energieeffizienz in den Städten? 

Ich hoffe, dass die Akteure, die heute planen, schnell in die Pflicht genommen werden, auch für morgen zu planen. Ich bin mir sicher, dass sich das Leben in der Stadt massiv ändert. Dies muss aber auch von Institutionen und Entscheidungsträgern mitgetragen und akzeptiert werden. Im Jahr 2021 ein nicht klimaneutrales Stadtviertel zu entwickeln, ist meines Erachtens grob fahrlässig und wird die Entscheidungsträger in wenigen Jahren wieder einholen. 

 

Weitere Informationen zu “SmART City 2021 – Vernetzte Kommunikationsschichten” und den beteiligten Künstlern finden Sie auf der Website www.smartcitysmart.de.