13. Januar 2022

Interview mit Leo Birnbaum

Innovationen

Im Interview spricht E.ON CEO Leo Birnbaum unter anderem über Herausforderungen, die Unternehmenskultur und eine digitale Energiezukunft.

Die neue Energiewelt wird nicht nur grün, sondern auch dezentral und digital. Was sind für Sie die wesentlichen Handlungsfelder, um die Herausforderung zu meistern?

Leo Birnbaum: Unverzichtbare Grundlage für Klimaschutz und unser tägliches Leben ist eine leistungsfähige, bedarfsorientierte Netzinfrastruktur. Als Rückgrat der Energiewende unterliegen die Netze aber auch einem stetig wachsenden Anforderungsprofil und haben einen entsprechenden Investitionsbedarf: Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen unterliegt Schwankungen, die im Netz ausgeglichen werden müssen. Zudem gilt es, die dringend benötigte Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität und die Wärme zu integrieren. Das alles lässt sich nur mit einem völlig neuen, digitalen „Betriebssystem“ erreichen, das Energieflüsse zentral steuert. Als Ergänzung zur Elektrifizierung müssen wir außerdem dafür sorgen, dass Grüne Gase wie Wasserstoff einen Hochlauf erfahren. Um all diese Herausforderungen zu bewerkstelligen, brauchen wir einen wettbewerbsfähigen Regulierungsrahmen.

E.ON hat eine fundamentale Rolle in der Energiewende und zur Erreichung der Klimaneutralität. Welche Bedeutung kommt dabei der Unternehmenskultur zu?

Birnbaum: Eine offene und agile Unternehmenskultur ist zentral für unseren Erfolg. Das spiegelt sich auch in der Zielsetzung unserer neuen Wachstumsstrategie wider: „Connecting everyone to good energy“. Dieses Mantra gilt selbstverständlich auch für uns selbst bei E.ON – denn nur zusammen, mit einem offenen Mindset, gelingt uns eine nachhaltige Energiewende.

Die E.ON Energy Innovation Days – ein Treffpunkt für Key Player und Vordenkende der Energiebranche – gingen 2021 in die vierte Runde. Welche konkreten Lösungen für den Weg zu einer CO2­neutralen, digitalen Energiezukunft wurden diskutiert?

Birnbaum: Vielversprechende Innovationen sind aus meiner Sicht eine effektive Interaktion zwischen Strommarkt, Industrie und den Bereichen Wärme und Verkehr sowie Effizienzsteigerungen durch Digitalisierung. Vor allem aber muss Wasserstoff breit zum Einsatz kommen und nicht nur in ausgewählten Anwendungsfeldern. Grüne Gase wie Wasserstoff sind die Antwort auf die Frage, wie eine Industrienation wie Deutschland bei Erhalt von Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätzen die Transformation zur Klimaneutralität erreichen kann. 

Was tut E.ON kurzfristig, um die Klimaziele von Paris zu erreichen?

Birnbaum: Allein in den kommenden fünf Jahren werden wir zusätzliche 35 bis 40 Gigawatt Erneuerbare an unsere Netze anschließen. Jede dieser Anlagen hilft uns, der Klimaneutralität ein Stück näher zu kommen. Hinzu kommt der Ausbau für Millionen Wärmepumpen, Batteriespeicher und die Elektromobilität. Dafür plant der Konzern, bis 2026 die Investitionen in Energienetze kräftig um jährlich rund eine Milliarde Euro pro Jahr zu erhöhen. Wir werden aber auch unseren eigenen CO2-Fußabdruck reduzieren und bis zum Jahr 2040 klimaneutral sein. Dieses Ziel verfolgen wir transparent und verbindlich. Es ist auch ein Bestandteil unseres Vergütungssystems.

Digitalisierung und Daten sind der Schlüssel, um die Energiewende zum Erfolg zu führen. Nur wer vertraut, teilt seine Daten. Können die Menschen dem E.ON Konzern vertrauen?

Birnbaum: Ja, denn Datenschutz und Datensicherheit sind für E.ON selbstverständlich und haben höchste Priorität. Wir gehen mit den uns anvertrauten Daten immer verantwortungsvoll und gesetzeskonform um. E.ON gewährleistet Transparenz über die Verwendung von Daten und auch die Rechte, zum Beispiel auf Auskunft und Löschung von Daten, werden jederzeit sichergestellt. Digitalisierung und Daten sind aber nicht nur ein unternehmerisches, sondern auch ein gesellschaftliches Thema. Daher sollte die Politik einen Rechts- und Regulierungsrahmen schaffen, der das Potenzial digitaler Lösungen zur Erreichung der Energie- und Klimaziele erfasst und mit dem Tempo der technologischen Entwicklung Schritt hält.

Sie sind Beiratsvorsitzender der E.ON Stiftung. Was können Stiftungen im Gegensatz oder als Ergänzung zu Unternehmen im Rahmen von Transformationsprozessen leisten?

Birnbaum: Die E.ON Stiftung beleuchtet, wie bei der Gestaltung des Energiesystems der Zukunft die Menschen und ihre Lebenswirklichkeiten mit einbezogen werden können. Dabei kann sie unabhängig von unserem Geschäft gesellschaftlich relevante Themen platzieren, Vordenkerin sein, unbequeme Fragen stellen und Diskurse antreiben. 

Leo Birnbaum ist seit April 2021 Vorstandsvorsitzender der E.ON SE. In dieser Funktion verantwortet er die Bereiche Kommunikation & Politik, Revision, Unternehmenskultur, Personal, Arbeits- & Umweltschutz, Recht, Compliance & Konzernsicherheit sowie Strategie & Innovation. 

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