30. September 2021

Pilotprojekt CO2-Rechner für die Kultur

Rechnen fürs Klima

Immer mehr Kulturbetriebe wollen klimaneutral werden. Was es dafür braucht? Daten und Fakten über die Emissionsquellen. Der „CO2-Rechner für die Kultur“ hilft dabei. Über ein Pilotprojekt, das schon jetzt jede Menge Anklang findet.

Die Debatten um die drohende Klimakrise haben auch die Kulturbranche erreicht. Eine Aufführung hier, eine Ausstellung da – ohne dabei auf den eigenen CO2-Fußabdruck zu gucken? Das stellt für viele Betriebe keine Option mehr dar. Der Gedanke an eine „Green Culture“ wird immer präsenter.

„Die Branche hat verstanden, dass mit Blick auf das Klima am Status quo gerüttelt werden muss“, betont Daniela Berglehn, Kultur-Projektleiterin der E.ON Stiftung. „Kultur kann klimaneutral – sie will Vorbild sein. Die Frage ist nur, welche Hebel dafür in Bewegung gesetzt werden müssen.“ Um das herauszufinden, hat die Londoner Wohltätigkeitsorganisation Julie’s Bicycle vor ein paar Jahren einen CO2-Rechner entwickelt. Damit ziehen Kulturbetriebe in England bereits Bilanz und messen ihre klimaschädlichen Emissionen.

Das Aktionsnetzwerk in Kultur und Medien hat nun mit der Hilfe der EnergieAgentur.NRW und der E.ON Stiftung den Rechner für Deutschland adaptiert und übersetzt. Im Mai ging es mit einem Kickoff-Event los. „Es gab insgesamt bis zu 200 Interessent:innen“, erzählt Valentin Graef, Projektleiter des CO2-Rechners. „Sehr viele Kulturbetriebe haben das Nachhaltigkeitsthema für sich entdeckt.“ Weil das größte Interesse aus Nordrhein-Westfalen kam, entschieden sich die Initiator:innen, die Pilotphase zunächst auf dieses Bundesland zu beschränken. An der Vielfalt der teilnehmenden Organisationen soll das aber nichts ändern. „Wir wollen das Projekt möglichst divers gestalten. Wenn sich ein Musikfestival mit einem Theater austauscht und ein Museum mitdiskutiert, brechen wir das Silodenken auf. Am Ende geht es ohnehin für alle um dieselben Themen: Energie, Mobilität, Ressourcen“, erklärt Graef.

Zwölf Betriebe nehmen nun an der geschlossenen Pilotphase teil – unter anderem die Ruhrtriennale, das Theater Bonn, die pop Convention Köln, das Wuppertaler Sinfonieorchester und das Kulturforum Witten. Die Beteiligten absolvierten bereits Mitte September mit großem Erfolg einen Workshop und testen nun ausgiebig den Rechner. Eine wichtige Etappe für das Projektteam, denn jetzt entscheidet sich, wie alltagstauglich das Tool ist – im Dezember beginnt bereits die offene Pilotphase. Dann wird ein erweiterter Teilnehmerkreis das Programm in einer Betaversion nutzen. Der offizielle Launch des Rechners folgt im März 2022.Dann soll er allen Kulturschaffenden open source zur Verfügung stehen.

Was das System nicht bezwecken soll? Einen Konkurrenzkampf zwischen den Teilnehmer:innen. „Es geht vielmehr um einen Vergleich mit sich selbst. Die Betriebe sollen sich zum Beispiel fragen: ‚Wie viel CO2 habe ich letztes Jahr ausgestoßen? Und wie viel in diesem Jahr?’“, stellt Graef klar. Ohnehin sei die Erfassung der eigenen Klimabilanz nur der erste Schritt. „Damit ist das Klima noch nicht gerettet. Man weiß aber, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen.“

Eine Hilfestellung, die schon jetzt viel Anklang bei den Teilnehmer:innen findet. Das zeigen auch ihre Reaktionen – hier eine Auswahl:

Reaktionen auf den CO2-Rechner


Randi Günnemann, Kulturforum Witten:

„Als öffentliche Kulturinstitution plädieren wir dafür, Kultur als die vierte Säule der Nachhaltigkeit zu etablieren, um die entscheidende Transferlücke zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zu schließen. Um dieser Rolle gerecht zu werden, müssen wir unser eigenes Handeln hinterfragen und anpassen. Der CO2-Rechner ist für uns ein wichtiges Tool, damit wir das Ziel der Klimaneutralität erreichen.“

Ralph Christoph, pop Convention Köln:

„Als urbanes Musikfestival stehen wir vor komplexen Herausforderungen im Bezug auf nachhaltiges Arbeiten. Umso wichtiger sind sinnvolle Werkzeuge bei der Umsetzung. Der CO2 Rechner ist in unseren Augen perfekt für die Beschleunigung dieses Prozesses. Daher sind wir froh darüber, am Pilotprojekt teilzunehmen.“

Esther Klose, Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester:

„Die Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester GmbH sind ein Stadttheater mit den Sparten Oper, Schauspiel und Sinfonieorchester. Die Teilnahme am Projekt gibt uns eine Datengrundlage, die für das Treffen fundierter Entscheidungen im Sinne eines nachhaltigen Spielbetriebs unabdingbar ist. So können wir die richtigen Maßnahmen ergreifen, um den CO2-Verbrauch unseres Hauses zu reduzieren. Davon profitieren die Umwelt sowie unsere Mitarbeiter:innen und Besucher:innen.“