29. Januar 2021

c.lab Oberhausen

Ideen für die Zukunft

Das c.lab will in der Oberhausener City Handwerk, Kreative und Wissenschaft zusammenführen.

Nachhaltige Stadt- und Quartiersentwicklung: Zu diesem Thema forscht das in Oberhausen ansässige Institut Fraunhofer UMSICHT. Als neuestes Vorhaben hat es das sogenannte c.lab initiiert, mit dem es die Innenstadtentwicklung von Alt-Oberhausen und die Bedürfnisse der dort lebenden und arbeitenden Menschen untersuchen wird. Wir als Stiftung sind gemeinsam mit der Stadt Oberhausen Partner und Unterstützer des Projekts.

Das Stadtmagazin Oberhausen „Oh!“ sprach mit Apostolos Tsalastras, Ersten Beigeordneten, Kämmerer und Kulturdezernent der Stadt Oberhausen, und unserem Geschäftsführer Stephan Muschick.

Herr Tsalastras, die Oberhausener City steht im Fokus des Projekts c.lab, das als „Kreativlabor für Transformation und nachhaltige, partizipative Innenstadtentwicklung“ beschrieben wird. Was konkret ist darunter zu verstehen?

Apostolos Tsalastras: Die Stadt Oberhausen will gemeinsam mit Fraunhofer UMSICHT und der E.ON Stiftung eine Plattform entwickeln, in deren Rahmen Wissenschaft, Handwerk und Kreative gemeinsam an neuen Ideen für die Innenstadtentwicklung arbeiten. Dies ist wichtig, da unsere Innenstadt einen besonderen Bedarf an innovativen Ideen hat, um die schwierige Lage positiv zu verändern. Die Projekte, die in diesem Kreativlabor entstehen, können in Oberhausen, aber natürlich auch in jeder anderen Innenstadt umgesetzt werden.

Sind den Ideen Grenzen gesetzt? Oder welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt c.lab?

Tsalastras: Bei c.lab geht es besonders darum, nachhaltige Vorschläge in den Bereichen Nahmobilität, Energieversorgung, urbane Produktion und grüne Infrastruktur zu erarbeiten. Ziel ist es, umsetzbare Konzepte, Vorschläge und Projekte zu entwickeln, die das Leben in der Innenstadt verbessern, nachhaltige Perspektiven für Arbeit und Leben in der Stadt bringen und für das Handwerk neue und innovative Produktionsmöglichkeiten schaffen.

Was versprechen Sie sich von einem Austausch zwischen Politik, Wissenschaft, Kreativen und Handwerk?

Tsalastras: Wir haben in vergangenen Projekten festgestellt, dass wirklich neue Projekte nur dann entstehen, wenn die eingefahrenen eigenen Sichtweisen durch andere Blickwinkel aufgebrochen werden. Die Wissenschaft ist in dem Bereich Transformation auf dem neuesten Stand der Diskussion und Technik – diese Expertise bringt Fraunhofer UMSICHT mit ein. Kreative haben oft einen Blick auf die Dinge, der dabei hilft, Vorstellungen zu entwickeln, die sonst als unmöglich umsetzbar angesehen werden. Das Handwerk gewährleistet die praktische Umsetzung und hätte mit und durch c.lab die Chance, ganz neue Angebote zu entwickeln, die über Oberhausen hinaus nachgefragt werden können.

Apostolos Tsalastras (l.) und Stephan Muschick

Herr Muschick, Sie sind Geschäftsführer der E.ON Stiftung, die unter dem Slogan „Gemeinsam nachhaltig“ aus unserer Nachbarstadt Essen heraus agiert. Was sind Ihre Beweggründe, dieses Innenstadtprojekt zu fördern?

Stephan Muschick: Zum einen haben wir bereits mit unterschiedlichen Oberhausener Akteuren zusammengearbeitet – so auch mit dem Fraunhofer UMSICHT, mit dem wir erfolgreich ein Bürgerlabor für Energie in Dortmund umgesetzt haben. Zum anderen haben wir Oberhausen als eine Stadt kennengelernt, in der nicht nur von lokalen Akteuren wie kitev, sondern auch von Seiten der Stadtverwaltung das Thema Transformation aktiv vorangetrieben wird. Wir wissen um die Leerstände in der Oberhausener City, aber auch um die unterschiedlichen Ansätze, die Innenstadt zu beleben. Hier setzen wir mit c.lab an.

In der Oberhausener City leben und agieren viele unterschiedliche Gruppen: Anwohner, Einzelhändler, Gastronomen und Immobilienbesitzer. Wie bringt man deren unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse unter einen Hut?

Muschick: Das ist kein einfaches Thema. In meinen Augen hat Oberhausen den großen Vorteil, dass die Innenstadt sehr lebendig ist. Das kompakte Gefüge an Straßen sowie die Menschen, die sich hier tagtäglich bewegen, sind ein guter Ausgangspunkt für unser Kreativlabor. Im Rahmen von c.lab wollen wir herausfinden, was überhaupt die Bedürfnisse der Menschen in Bezug auf die vier genannten Schwerpunktthemen sind, und Gespräche führen. Also ganz konkret Antworten auf die Fragen finden, was die Menschen brauchen und wollen, wenn man über mobile und energetische Lösungen spricht. c.lab will Orte der Begegnung schaffen, für Diskussionen und Austausch. Und dann kann man im zweiten Schritt an die Lösungsfindung herangehen, die immer in enger Verbindung mit den Menschen stehen muss. Wir wollen ein gutes Zusammenwirken zwischen Wissenschaft und Praxis hinbekommen.

Dann könnten die Ergebnisse aus dem Oberhausener c.lab Modellcharakter für andere Städte haben, nicht nur im Ruhrgebiet, sondern für ganz Deutschland?

Muschick: Richtig. Wir beschäftigen uns mit dem Thema Stadtentwicklung nicht als isoliertes Projekt, sondern sehen immer das große Ganze. Als weiteres Thema bei der Stadtentwicklung muss man auch die Frage stellen, welche Rolle die Digitalisierung spielen kann und ob es auch mit digitalen Formaten die Möglichkeit gibt, Orte der Begegnung zu schaffen. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt – da passt das c.lab wunderbar rein!