Sozialökologisches Panel 2021

RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Im Auftrag der E.ON Stiftung hat das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung eine Befragung zu den klimapolitischen Präferenzen und Gerechtigkeitsvorstellungen der Menschen in Deutschland durchgeführt. 

Die Ergebnisse und Analysen zeigen: Es gibt nicht den einen Weg zur Klimaneutralität, der alle glücklich macht. 

Die Umweltbesorgten 

  • 100 % glauben an den Klimawandel
  • 73 % sagen, dass er überwiegend von Menschen gemacht werde
  • 91 % sind wegen der Umweltbedingungen besorgt

Die Umweltsorglosen

  • 97 % glauben an den Klimawandel
  • 59 % sagen, dass er überwiegend von Menschen gemacht werde
  • 0 % sind wegen der Umweltbedingungen besorgt  

Die Klimaleugner:innen

  • 0 % glauben an den Klimawandel
  • 58 % sind wegen der Umweltbedingungen besorgt




Wer denkt wie?

Bei der Befragung haben sich drei verschiedene Gruppen mit differenzierten klimapolitischen Ansichten herauskristallisiert - die Umweltbesorgten, die Umweltsorglosen und die Klimaleugner:innen. 

Die Umweltbesorgten machen mit n=5.422 den weitaus größten Anteil der Befragten aus. Die Umweltsorglosen (n=1.852) und die Klimaleugner:innen (n=936) sind nicht so stark vertreten. Die Umweltbesorgten sind wegen steigender Strompreise weniger besorgt und müssen sich im Alltag aufgrund steigender Energiekosten weniger stark einschränken. Die Klimaleugner:innen müssen sich am meisten durch höhere Energiekosten einschränken und haben entsprechend die größten Sorgen vor steigenden Strompreisen.

Das Ziel der Energiewende ist akzeptiert, der Weg dahin kritisch

Frage nach der Zustimmung zum Ausbau erneuerbarer Energien

Es zeigt sich, dass die Grundsatzentscheidungen der Energiewende nicht in Frage stehen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wird gruppenübergreifend befürwortet. Ablehnung gibt es hier nur im einstelligen Bereich. Auch einem Ausstieg aus der Kohleverstromung stehen lediglich 6% der Umweltbesorgten, 19% der Umweltsorglosen und 23% der Klimaleugner:innen ablehnend gegenüber. Damit sprechen sich selbst Menschen, die sich keine Sorgen um die Umwelt machen oder den Klimawandel leugnen, insgesamt eher für einen Kohleausstieg aus.

Wenn die Energiewende aber konkret wird und die Klimaschutzmaßnahmen die Lebenswirklichkeiten der Menschen betreffen, wird es kritisch. Die CO2-Bepreisung als zentrale Maßnahme zur Transformation in eine klimaneutrale Gesellschaft wird differenziert betrachtet und insbesondere von den Umweltsorglosen und Klimaleugner:innen eher abgelehnt. Da sich diese Gruppen in ihrem persönlichen Alltag - wie beschrieben - stärker durch höhere Energiekosten einschränken müssen, überrascht es nicht, dass die Ablehnung hier größer ist.

Sowohl innerhalb der Gruppen als auch gruppenübergreifend sind die Menschen in Bezug auf ihre Gerechtigkeitsvorstellungen gespalten. Beim Gegenüberstellen der beiden wesentlichen Klimaschutzmaßnahmen Verbot vs. Preislenkung zeigt sich ein nahezu gleichverteiltes Bild. Etwa ein Drittel der Befragten spricht sich für ein Verbot von Verbrennungsmotoren aus, circa ein Drittel für eine Preislenkung durch höhere Benzin- und Diesel-Preise und ein Drittel kann sich hier nicht entscheiden. Insgesamt gibt es prozentual die meisten Unentschlossenen mit 47% unter der Klimaleugner:innen, gefolgt von den Umweltsorglosen, von denen 38% ihr Kreuz bei „Weiß nicht“ gesetzt haben. Unter den Umweltbesorgten haben diesbezüglich nur 23% keine klare Meinung.

Frage nach der Zustimmung zur Erhoeung des CO2-Preises

Fazit

Die Ergebnisse zeigen: Es wird nicht möglich sein, einen Weg zur Klimaneutralität zu finden, mit dem alle zufrieden sind. Gefragt ist also politisches Leadership. Das heißt: Mut zu haben, wohlüberlegte, aber klare Entscheidungen zu treffen, auch wenn bestimmte Gruppen in der Gesellschaft sie heftig kritisieren werden. Nur so ist der Weg zu einer klimaneutralen Gesellschaft rechtzeitig und sozial ausbalanciert zu realisieren.

Hintergrund

Das Sozialökologische Panel erstreckt sich über einen Zeitraum von vier Jahren mit jährlichen Befragungen unter 4.000 bis 8.000 Teilnehmer:innen des forsa.omninet-Haushaltspanels. So können die Präferenzen der Bevölkerung in Bezug auf die Energiewende über einen längeren Zeitraum erfasst werden und politische Implikationen zum Erhalt/Ausbau der sozialen Akzeptanz der Transformation besser abgeleitet bzw. angepasst werden. Inhaltlich schließt es an die drei Befragungen des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers der Energiewende an, welches von der E.ON Stiftung in Kooperation mit dem IASS und der 100 prozent erneuerbar Stiftung in den Jahren 2017, 2018 und 2019 durchgeführt hat. 

Die dargestellten Ergebnisse beziehen sich auf die erste Befragungswelle in 2021. Befragt wurden hierzu 8.026 Personen aus dem forsa.omninet-Haushaltspanel mit Hilfe einer computergestützten, zufälligen telefonischen Kontaktaufnahme im Zeitraum vom 11. bis 30. Juni 2021. Die Ausschöpfungsrate lag bei 63% und die Abbruchrate bei 8%.

Klimaschutz – eine Frage der regionalen Gerechtigkeit?

Lesen Sie mehr zu unserer Befragung Klimawahl 2021 und machen Sie sich ein Bild von den regionalen Unterschieden der klimapolitischen Einstellungen in Deutschland.